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Pflanzenschutz aktuell Feldbau 17. Juni 2020

Die Blattläuse in Rüben sind nach wie vor aktiv, aber nur in Spätsaaten müssen sie chemisch bekämpft werden, in den anderen Feldern hat es jetzt genügend Nützlinge. Cerco-Flecken sind noch kein Thema. Mais mit violetten Blätter weist auf ein Bodenproblem hin und in Kartoffeln muss mit kurzen Fungizidspritz-Intervallen eine Krautfäuleinfektion verhindert werden.

Zuckerrüben
Blattläuse
In den vor 3-4 Wochen mit dem Wirkstoff Pirimicarb behandelten Feldern findet man vereinzelt wieder geflügelte schwarze Rübenblattläuse, die kleine Kolonien gebildet haben.  Die Bekämpfung übernehmen nun die Nützlinge. Eine Nachbehandlung mit Pirimicarb ist nicht nötig. Einzig in wegen der Trockenheit gestaffelt aufgelaufenen Rüben oder in Spätsaaten steht die erste chemische Bekämpfung noch an. Die Versorgung mit dem Wirkstoff Pirimicarb bei den Händlern ist äusserst knapp. Versuchen Sie sich unter Berufskollegen mit dem Mittel auszuhelfen. Ein Einsatz soll nur bei Temperaturen über 15°C erfolgen, damit sich die wirkungsvolle Dampfphase bildet. Dann reichen 100 bis 150g/ha. 

Cercospora-Blattflecken?
Gemäss unserem nicht öffentlichen Prognosesystem und den Beobachtungen im Feld sind noch nirgends Cerco-Flecken vorhanden. Flecken findet man meist erst, wenn es einige Tage bei hoher Luftfeuchtigkeit über 25° warm war oder bei wechselhaftem Wetter mit hohen Temperaturen zwischendurch. Am ehesten findet man die Flecken dort, wo der letztjährige Rübenhaufen in der Nähe war oder angrenzend ein letztjähriges Feld. Eine Fungizidbehandlung ist somit noch nicht nötig, es ist noch zu früh! Alle Cercospora ähnlichen Flecken, also kleine Fleckchen mit rotem Hof, stammen von Bakterien (Pseudomonas), die sich an verletzten Stellen oder von Läusen geschwächten Blättern ansiedeln. 

Ruebenblatt mit Pseudomonas
Geschwächtes Rübenblatt mit vielen kleinen roten Flecken, die von Bakterien (Pseudomonas) stammen. Das sind keine Cerco-Flecken

Mais
violetter Mais
Vereinzelt meldeten Landwirte Maisfelder mit Wuchshemmungen. Gelblich aufgehellte und violette Blattspitzen sind zu sehen. Violette Blattspitzen deuten auf eine gehemmte Aufnahme (Mangel) von Phosphor hin. Diese gehemmte Aufnahme kann von verdichteten Böden stammen oder wenn eine Matratze aus organischer Substanz (Pferdmist, Blätter etc.) untergepflügt wurde. Im vorliegenden Fall treten die Wuchshemmung auf die Reihe genau dort auf, wo letztes Jahr Zuckerrüben angebaut wurden. Waren andere Kulturen als Vorfrucht nebenan, trat die Hemmung nicht auf, der Mais wächst dort ungehemmt und hat dunkelgrüne Blätter. In diesem Fall könnte auch der Verdacht aufkommen, dass die Hemmung von den Rübenherbiziden des letzten Jahres stammt. Das können wir ausschliessen, denn nach allen Rübenherbiziden kann Mais bei vorzeitigem Umbruch angebaut werden. 
Über dieses Symptom (violetter Mais nach Rüben) hatten wir schon vor Jahren berichtet, als die Firma KWS dem detaillierter nachging. Sie haben herausgefunden, dass beim Unterpflügen einer massigen Schicht von Rübenlaub, im Boden alles in einer Schicht abgelegt wird. In dieser Schicht wurde eine deutliche Absenkung des pH-Wertes gemessen. Dieser tiefe pH-Wert löste vermehrt Aluminium und blockierte die Verfügbarkeit von Phosphor, obwohl er eigentlich im Boden vorhanden wäre. Damit der Mais künftig keine Wachstumsdepression nach Rüben erleidet, sollte ein Rübenfeld eventuell nur gegrubbert werden und/oder der Pferdemist allenfalls nach der Maissaat oder auf einem anderen Schlag ausgebracht werden. 

Kartoffeln
Krautfäule Gefahr hoch
Die Infektionsbedingungen für Krautfäule waren in der letzten Woche optimal. Auch in dieser Woche herrschen mit den Niederschlägen sehr gute Infektionsbedingungen. Die Intervalle der vorbeugenden Spritzungen müssen nun sehr kurz sein. Wir gehen jetzt von einem wöchentlichen Behandlungsintervall aus. Melden Sie Befallsverdacht unbedingt bei Phytopre (058 468 72 39) und der Fachstelle Pflanzenschutz.

Käfer und Blattläuse
Das üppige Blattwerk lässt einiges an Frass der Kartoffelkäferlarven zu, so dass gut darauf gewartet werden kann, bis die meisten Larven aus den Eiern geschlüpft sind. Da nun wöchentliche Behandlungen gemacht werden müssen, kann je nach überschrittener Bekämpfungsschwelle das Audienz gegen Käfer oder ein Blattlausmittel (Teppeki, Plenum WG, Movento SC) zugemischt werden. Diese Mittel sind nützlingsschonend und können daher ohne Sonderbewilligung eingesetzt werden (Bienen- und Hummelschutz in blühenden Beständen beachten bei Audienz und Teppeki). Die Blattläuse werden in Kartoffeln zunehmend durch die vorhandenen Nützlinge in Schach gehalten. Es herrscht kein Trockenstress, so dass mit dem Einsatz eines Insektizides gegen Läuse zugewartet werden kann bis die BKS deutlich überschritten ist. 

Sonnenblumen
Die Sonnenblumen haben sich wie erwartet recht gut vom Befall mit Blattläusen erholt im Gegensatz zum ausserordentlichen Auftreten der schwarzen Bohnenblattläuse in den Rüben. Man sieht jetzt nur noch die gekräuselten Blätter und Nützlinge, die ein Massenauftreten der Blattläuse in Sonnenblumen verhinderten. Eine deutlich sichtbare Wachstumsverzögerung ist nicht zu beobachten.

Pflanzenschutz aktuell Feldbau vom 16. Juni 2020 (PDF)

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