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Ressourcenschonend produzieren – rentiert das?

Tagungsbericht zur 4. Unternehmertagung Gemüse Schweiz. Wie passen Gemüsebaubetriebe an um auf die steigenden Nachhaltigkeitsforderungen der Abnehmer zu reagieren? Einblick in Gemüsebetriebe im Seeland.

Tagungsbericht der 4. Unternehmertagung Gemüse Schweiz

Ressourcenschonend produzieren – rentiert das?

Bacd: Das Bewusstsein über die Endlichkeit natürlicher Ressourcen als Grundlage der gartenbaulichen Produktion ist zurück. Handel und Endkonsumenten fordern in zunehmendem Masse hohe Standards bezüglich Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz. Im Gemüsebau sind oft grosse Investitionen nötig um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Die Frage der Rentabilität folgt auf dem Fuss. Diesem Thema widmete sich die 4. Unternehmertagung Gemüse Schweiz zu welcher die Schweizerische Zentralstelle für Gemüsebau (SZG) in Zusammenarbeit mit den Gemüsebaufachstellen von Inforama und Grangeneuve Ende September ins Berner und Freiburger Seeland einlud. 

Ressourceneffizienz – oft eine Definitionsfrage

Bereits die Definition solcher Begriffe wie Ressourceneffizienz birgt seine Tücken wie Thomas Nemecek, Stv. Forschungsleiter Ökobilanzen bei Agroscope ausführte. Der Schlüssel zum Verständnis der ganzen Ökobilanzierung liegt oft bereits in der Definition der Systemgrössen, dem Wählen einer geeigneten Methodik und den verglichenen Produkten. Trotz dieser Vorbemerkungen liessen sich für den Gemüsebau einige allgemeine Trends festmachen. Beim Gewächshausgemüse schlage z.B. die Beheizung der Gewächshäuser erheblich negativ zu buche, sofern keine alternative Energiequelle genutzt wird. Bei Gemüse sind bezüglich Umweltwirkungen die nachgelagerten Prozesse wie Lagerung, Aufbereitung, Verpackung, Transport oder Kühlung im Vergleich zu anderen Agrarprodukten verhältnismässig wichtig. 

Effizient und umweltschonend – nicht zwangsläufig ein Widerspruch 

Auf dem Betrieb Wyssa Gemüse in Galmiz wurde gezeigt, wie Ressourcenschonung konkret auf den Betrieben umgesetzt und gelebt wird. Das Projekt «Ressourcenschonender, nachhaltiger Pflanzenschutz im Gemüsebau durch kameragesteuerte Pflanzenschutzroboter», in welchem Partner aus Forschung, Beratung und Produktion beteiligt sind, entwickelt auf Basis des Hackroboters von Steketee einen Pflanzenschutzroboter, welcher durch Kameraerfassung das Pflanzenschutzmittel (PSM) punktgenau auf die Pflanzen ausbringt und die Düsen in den Zwischenräumen abstellt. Die angestrebten PSM-Reduktionsziele wurden durch den Prototypen im ersten Projektjahr bereits übertroffen und liegen im Salat momentan bei einer Reduktion von rund 80% in den ersten beiden Anwendungen, bei gleichzeitig nicht feststellbaren Wirkungsverlusten. Natürlich gibt es nach nur einem Jahr Entwicklungszeit noch paar Kinderkrankheiten bei der Technik. Insgesamt dürfte das Ziel des Projekts, nämlich die Technologie bis zum Ende des 3-jährigen Projekts zur Marktreife zu bringen, als realistisch betrachtet werden, wobei eben genau die Frage der Rentabilität erst nach analysiert werden muss (Anschaffungskosten, Flächenleistung, Wetterabhängigkeit ect.)

Durch den Pflanzenschutzroboter werden gezielt nur die Pflanzenköpfe mit PSM behandelt. Eine Reduktion bis zu 80% der Mittelmenge scheint im Bereich des Möglichen zu liegen
Durch den Pflanzenschutzroboter werden gezielt nur die Pflanzenköpfe mit PSM behandelt. Eine Reduktion bis zu 80% der Mittelmenge scheint im Bereich des Möglichen zu liegen

Gewächshausanbau im Fokus

Das Thema Ressourceneffizienz betrifft nicht nur, aber in besonderer Weise den Gewächshausanbau, vor allem wenn die Kulturzeiten in die kalte Jahreszeit erstreckt werden und entsprechende Heizenergie nötig ist. Aus diesem Grund sieht Bruno Gutknecht, Gutknecht Gemüse Ried bei Kerzers, die CO2-neutrale Produktion von Fruchtgemüse als Herausforderung für die Zukunft. Wenn die Abnehmer diese Forderung stellen, gelte es sich dieser zu stellen. Konkret steht ein Projekt eines Fernwärmeverbunds mittels Holzschnitzelheizung für die Gewächshausbetriebe im Raum Kerzers auf der Zukunftsagenda. Bereits installiert auf dem Betrieb ist eine 600'000 kWh Photovoltaikanlage, womit rund 75% des betriebsinternen Stromverbrauchs gedeckt wird. Die Anlage soll auch ohne KEF Beitrag innerhalb von 8-10 Jahren amortisiert sein. Die Frage der Rentabilität solcher Investitionen ist aber auch immer im Kontext der Marktanforderungen zu sehen. Wenn der Markt nur noch Produkte von CO2 neutraler Produktion akzeptiert und Fruchtgemüse aus fossil beheizten Gewächshäusern unverkäuflich werden, erübrigt sich ein Vergleich der Kosten dieser beiden Energieträger. Das erübrigt allerdings nicht Effizienzüberlegungen. Bereits seit einiger Zeit sind z.B. Überlegungen im Gange, wie man die Wärmeverluste durch das Entfeuchten der Gewächshausluft verringern kann. Etwa die sogenannten Active-Ventilation Systeme sind hierbei in aller Munde und einige Betriebe haben bereits in diese Technologie investiert. Das Zwischenergebnis einer Markt- und Literaturanalyse ist allerdings ernüchternd. Nach heutigem Wissenstand sind Entfeuchtungssysteme nicht wirtschaftlich, die erwarteten Einsparungen konnten nicht realisiert werden, und die entsprechenden Abteile liessen mit der erhofften Qualitäts- und Ernteverbesserung noch auf sich warten. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Technologie unter veränderten Rahmenbedingungen (Energiepreise!) trotzdem durchsetzen wird. 

Grossprojekte stehen im Raum 

Visionäre Ideen – aufgedeckt durch die Medien – Verfolgt die Genossenschaft Gemüseerzeuger Seeland (GES). Die Vision Energiebündel Seeland (EBS) beinhaltet die Planung und letztlich auch die Erstellung eines Grossgewächshaus im Gebiet Murtensee. Momentan läuft die Machbarkeitsstudie für das Projekt und die Standortevaluation. Projektdetails gab es verständlicherweise noch keine. Sam Zurbrügg sah das Projekt mitunter jedoch auch als mögliche Antwort in Hinblick auf eine Grenzöffnung des Gemüsemarkts. Fast schon logisch erscheinen die Überlegungen zu alternativen Energieträgern, wovon momentan jedoch noch verschiedene Möglichkeiten im Gespräch sind. Unmissverständlich kam der visionäre Charakter dieses Projekts zur Geltung. Man will das Projekt als Paradigmenwechsel, weg vom rein reaktiven Nachvollziehen von Vorgaben, hin zu einem proaktiven Ansatz in der Gemüsewirtschaft verstanden haben. 

Investitionen im grossen Kontext sehen

Insgesamt gab die 4. Unternehmertagung vielschichtige Einblicke in die Überlegungen, welche auf den Betrieben zum Thema Ressourceneffizienz angestrengt werden. Insgesamt sind bei vielen vorgestellten Projekten konkrete Marktanforderungen der eigentliche Auslöser für die getätigten Investitionen. Bei der Betrachtung der Rentabilität solcher Investitionen spielen sehr häufig langfristige Überlegungen bezüglich Marktanteil, Absatzmöglichkeit und Marketingstrategie der Abnehmer die entscheidende Rolle. Der reine Vergleich der Produktionskosten eines Produktionssystems A (z.B. Heizung durch Holzschnitzel) zu einem Produktionssystem B (z.B. Heizung durch Erdgas) zum jetzigen Zeitpunkt tritt etwas in den Hintergrund.  Die Betriebsleiter sind in ihren strategischen Kompetenzen, Trends zu antizipieren gefordert, vielleicht stärker als jemals zuvor.

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