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Rindvieh aktuell 03 / 2021 Weidebeginn

Nach den aktuell nasskalten Tagen steht einem zügigen Vegetationsstart nichts mehr im Wege. Sobald es die Bodenbedingungen zulassen, sollten die Tiere möglichst auf die Weide.

Dabei legt man den Grundstein für einen ausgewogenen, bekömmlichen (Weide)Futterertrag. Doch nur wer gut plant kann voll ernten! Folgende Schritte sollten dabei überlegt sein: 

  • Rückblick aufs vergangene Jahr und sich dabei in Erinnerung bringen, in welcher botanischen Zusammensetzung die Weiden in den Winter geführt wurden. Das Bestandesziel liegt bei mindestens 75 % hochwertiger Futtergräser, maximal 5 % Kräuter, wobei der (Weiss)Kleeanteil nicht über 20 % liegen sollte. Von diesen Idealwerten abweichende Pflanzenanteile führen immer zu kleineren Erträgen.   
  • Weideplanung, dabei geht es um das Weidesystem und die Weideorganisation. Am nachhaltigsten ist die Koppelweide. Dabei werden die einzelnen Koppeln max. 2-3 Tage bestossen. Kurze Bestosszeiten bringen weniger Trittschäden und dadurch mehr Ertrag und ausgeglichenes Futter.  
  • Die nachhaltigste Weideorganisation ist die Mähweide. Dabei wird jede Koppel mindestens ein bis zweimal jährlich geschnitten und das Futter konserviert. In der Mähweide können horstbildende Arten problemlos mitgenutzt werden, weil sie durch den Schnitt keine starken Horste bilden können. Der Bestand kann sich regenerieren und dem Ausläufer-Straussgras wird durch den Schnitt die Filzbildung verunmöglicht. Somit hat man die eigentlichen Problemweidepflanzen am besten im Griff.  

Weidenutzung der Vegetation anpassen

  • Das frühe Beweiden unmittelbar nach Vegetationsstart fördert die Bestockung der Gräser. So entstehen früh trittfeste Grasnarben, die keinen Platz für unerwünschte Kräuter oder zu viel Kleeanteil bilden. Dabei macht es Sinn alle Koppeln in kurzen Abständen mit kurzen Bestosszeiten zu überweiden. Frühes Beweiden ist eine Pflegemassnahme für erfolgreiche Weiden.   
  • Sobald der Futterzuwachs grösser wird, muss entweder die Weidezeit verlängert, oder die Weidefläche verkleinert werden. Ziel ist es, eine mittlere Futterhöhe beim Auftrieb in eine neue Koppel von max. 10-15 cm, beim Abtrieb aus der Koppel 4-6 cm zu erreichen. Vor allem im Frühjahr ist das Kurzhalten des Bestandes wichtig, weil dies der Bestockung dient.   

Weidepflege

  • Weidepflege soll dann vorgenommen werden, wenn sich unerwünschte Futterpflanzen beginnen langsam durchzusetzen. Solche Arten dürfen auf keinen Fall versamen. Schneiden und liegen lassen oder allenfalls abführen ist die beste Lösung. 

Hanspeter Hug, Futterbau

Tiere und Zäune auf die Weidesaison vorbreiten

  • Die Pansenflorabenötigt rund 2 Wochen, um sich an neue Futterkomponenten anzupassen. Es ist deshalb sinnvoll, die Tiere am Anfang bereits gefüttert und nur stundenweise auf die Weide zu lassen. 

 

  • Das Gras im Frühjahr hat einen tieferen Gehalt an Magnesium als die Folgeaufwüchse. Deshalb sollte den Tieren jetzt ein Mineralfutter mit höherem Magnesiumgehalt angeboten werden. Dies kann durch den Wechsel vom Mineralstoff im Mischwagen erfolgen oder es können spezielle Leckschalen angeboten werden. Ansonsten besteht die Gefahr einer Weidetetanie.

 

  • Je nachdem welche Tiere geweidet werden, gibt es Empfehlungen zur Anzahl Litzen beim Zaun. Bei Milchvieh werden 1-2 Litzen empfohlen. Für Mutterkühe 2-3 Litzen, oder je nach Gebiet und Herdenzusammensetzung sogar 4 Litzen. Dabei ist zu beachten, dass die unterste Litze mind. 25 cm ab Boden ist (Igel und Co. können damit gefahrlos die Weiden durchqueren). Eine gute Vorbereitung mit guter Erdung, leistungsfähigem Weidezaungerät und regelmässige Kontrolle der Zäune zahlen sich auf jeden Fall aus. Um bei einem Schaden durch ein ausgebrochenes Weidetiere vor Schadenersatzansprüchen sicher zu sein, muss der Zaun entsprechend erstellt und regelmässig (z.B. täglich) kontrolliert werden. 

 

 

Weideeingänge pflegen und wenn möglich verlegen

  • Ist es möglich, den Weideeingang während der Vegetationsperiode zu verschieben, sollten die Überlegungen dazu bereits im Frühjahr stattfinden. Hier ist zu beachten, dass morastige und versumpfte Stellen möglichst zu verhindern sind. Erlaubt ist eine vegetationsfreie Fläche von 0.5 m im Radius pro GVE. Um Probleme mit dem Gewässerschutz vorzubeugen, sollten Weideeingänge auch regelmässig frisch eingesät und dann entsprechend ausgezäunt werden. 

 

  • Dasselbe gilt für Tränkestellen. Am besten ist es, wenn z.B. Tränkefässer regelmässig verstellt werden können oder an fixen Tränkestellen ein befestiger oder teilbefestiger Untergrund vorhanden ist. Wichtig ist auch, dass an den Tränkestellen das Wasser nicht unkontrolliert abfliessen kann. Dies ist auf Grund der Gefahr einer Morastbildung negativ, wie auch aus Sicht der Tiergesundheit (Klauenverletzungen im Morast oder auch Vermehrung von Parasiten). 

 

  • Bei einem geplanten Vorhaben ist immer zu berücksichtigen, dass unter Umständen eine Baubewilligung notwendig ist. Bei befestigten Weideeingängen ist es sehr oft der Fall, dass sich das Problem um ein paar Meter verschiebt. 

 

  • Wird eine Koppelweide betrieben, ist eine Verschiebung des Einganges in vielen Fällen möglich und beugt einer vegetationsfreien Fläche vor. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Rinder (wie auch der Mensch) Gewohnheitstiere sind und es manchmal zu Problemen kommen kann, wenn der gewohnte Weideeingang verlegt wird. 

Aktuelles aus der Praxis und Informationen aus dem Team:

  • Die Strickhof-Fachnachmittage Tierhaltung wurden mit insgesamt 449 Teilnehmenden zu den Themen Fütterung, Klauen und Kälber und Schweinehaltung sehr erfolgreich durchgeführt. Falls Sie Interesse an weiteren Fachnachmittagen oder auch Fachabenden haben, senden Sie uns gerne Themenvorschläge, die wir aufnehmen können.
  • Kälberiglus sollten unbedingt nach jedem Durchgang gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Nach der Desinfektion sollte das Iglu möglichst mindestens drei Tage senkrecht stehend dem Sonnenlicht ausgesetzt sein. Die UV-Strahlen der Sonne haben eine stark desinfizierende Wirkung.
  • Wir sind derzeit auf der Suche nach einer Praktikantin oder einem Praktikanten. Bei Interesse bitten wir um eine Kontaktaufnahme. (https://apply.refline.ch/328462/1169/pub/1/index.html)

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