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Gesündere Kälber durch einfach und günstige Massnahmen

Am Strickhof Milchtag zeigten Experten, dass oft kleine und erschwingliche Veränderungen die Gesundheit der Kälber entscheidend verbessern können.

Am gut besuchten Strickhof Milchtag von letzter Woche stand das Thema «Kalb» im Mittelpunkt. Landwirtinnen und Landwirte sowie Fachleute aus der Beratung und Forschung, von Verbänden und der Industrie konnten im Forum von AgroVet-Strickhof sowie online von einer Fülle an Wissen profitieren.

Lebensqualität der Produzenten erhöhen

Leider wird das Kalb auch heute noch oft vernachlässigt. Für Matthias Schick, Bereichsleiter Tierhaltung und Milchwirtschaft, ist die Kälberhaltung Chefsache und muss optimiert werden, um wirtschaftlicher zu werden: «Wenn unsere Kälber an Lungenentzündungen und Durchfall leiden, können sie keine langlebigen Hochleistungskühe mehr werden.» Boris Beuret, Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP) und selber Milchproduzent im Kanton Jura, gewährte in seinem Referat Einblick in seine Kälberhaltung. «Das Kalb ist die zukünftige Milchkuh» und müsse deshalb in den ersten sechs Monaten die besten Bedingungen erhalten.

Boris Beuret äusserte Sorgen über den stetig sinkenden Selbstversorgungsgrad bei Milchprodukten in der Schweiz. «Wenn wir so weitermachen, sind wir in wenigen Jahren Nettoimporteur», warnte er. Um dies zu verhindern, müsste jungen Milchproduzenten Perspektiven für eine rentable Milchproduktion geboten werden. Er stellte den «Selbstcheck Lebensqualität» vor, der auf www.swissmilk.ch zu finden ist. Damit können Milchproduzenten erkennen, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht, und die anonymisierten Daten sollen den Interessensvertretungen zeigen, wo dringende Änderungen notwendig sind.

Frischluft muss frisch sein

Eduard Zentner von der Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein (A) referierte über die Luftzufuhr in Kälberställen. Oft sei die angesaugte Frischluft bereits belastet (z.B. von Gülle- oder Mistgruben), was zu erheblichen Gesundheitsproblemen bei den Tieren führen könne. Auch die Richtung und Geschwindigkeit der Luftbewegung im Stall seien entscheidend. Mit günstigen Rauchpatronen können Luftströme einfach gemessen werden. Kühe und Kälber haben unterschiedliche Anforderungen und sollten deshalb in getrennten Räumen gehalten halten. Die beste Luftqualität sei aber draussen, weshalb Eduard Zentner empfiehlt, die Tiere wenn möglich an der frischen Luft zu halten.

Genügend Milch und Stroh

Peter Zieger, Kälberexperte und Kälberblogger, zeigte Bilder von Kälberhaltungen aus aller Welt. Für ihn ist das Wichtigste in der Kälberhaltung, dass das Tier – zumindest im Winter – beim Liegen im Stroh versinkt und die Beine nicht sichtbar sind. Zusätzlich sollen Kälberdecken verwendet werden. So leiden die Tiere weniger an Atemwegserkrankungen, was sich später in Form von mehr Leistung bei der Milchkuh auszahlt. 

Er zitierte eine Studie, die zeigt, dass Kälber, die bei der ersten Fütterung vier statt nur zwei Liter Kolostrum erhalten haben, während der ersten Laktation 1000 Liter und während der zweiten Laktation 800 Liter mehr Milch gaben. Peter Zieger: «Eigentlich ist es einfach, wir müssen die Kälber wie in der Natur halten. Sie brauchen Energie in Form von genügend Kolostrum und danach genügend Milch.»

Der ideale Kälberstall

Wie ein idealer Kälberstall aussehen könnte, zeigte Lisa Köhler aus dem Bundesland Hessen. Die Tierärztin führt zusammen mit ihrem Mann einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 150 Kühen. Vor wenigen Jahren haben sie einen neuen Kälberstall gebaut, angeordnet wie der Buchstabe H und mit zentralem Milchtränkesystem. Im alten Stall waren die Kälber aufgrund mangelnden Platz-, Licht- und Luftverhältnissen ständig von Krankheiten betroffen. Ihre Investition hat sich gelohnt. Seit die Tiere in den neuen Kälberstall gezogen sind, ist es für die Betriebsleiterin «jeden Tag eine Freude, in diesem Stall zu arbeiten». Die Tiere sind gesund und die Arbeitsabläufe effizient.

Bei einem Postenlauf konnten sich die Teilnehmenden über Kälberimpfung, Gehaltmessung von Biestmilch sowie mobile Kälberhütten informieren. Die Milchproduzenten konnten zudem eine Biestmilchprobe abgeben und an einem Wettbewerb teilnehmen. Gewonnen hat Urs Hürlimann aus Kefikon mit einem Brix-Wert von 27.7. Herzliche Gratulation!

Text: Ursina Berger, Strickhof

 

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