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Blattläuse in vielen Freilandgemüsekulturen auf dem Vormarsch

Seit etwa Mitte Mai beobachten wir im Kanton Zürich eine starke Zunahme der Blattlausaktivität in vielen Freilandgemüsekulturen. Je nach Biologie der Arten gibt es unterschiedliche Ansätze in der vorbeugenden und direkten Bekämpfung.

Wer derzeit in den Gemüsekulturen unterwegs ist, sieht eine breite Palette unterschiedlicher Lausarten. Der Druck ist momentan durch das rasche Vegetationswachstum sehr gross. Beim Blattgemüse steht die Schädigung durch den Lausbesatz im Vordergrund. Dieser Besatz kann rasch zur Rückweisung am Markt führen, weil alle Gemüseartikel nach aktuell gültigen Qualitätsbestimmungen "frei von tierischen Schädlingen" sein müssen. Bei anderen Kulturen wie z.B. Karotten ist zudem der Lausbefall auch hinsichtlich der Übertragung von Viren wie dem carrot red leaf virus (CtRLV) gefürchtet. 

Entwicklungszyklen

Wenn man von Blattläusen spricht, so meint man in der Regel im engeren Sinn die Familie der Röhrenläuse (Aphididae) innerhalb der Blattsauger. Blattläuse durchlaufen 4 ungeflügelte Larvenstadien aber kein Puppenstadium. Bei fast allen Arten kommen nebst den geflügelten adulten Tieren auch ungeflügelte Adulte vor. Je nach Art durchlaufen die Arten einen kompletten Entwicklungszyklus d.h. mit Auftreten beider Geschlechter und Ablage von Wintereiern oder nur einen unvollständigen Entwicklungszyklus bei dem die Vermehrung ungeschlechtlich geschieht. Merkmale für die genaue Artbestimmung (ohne gute Handlupe meist nicht möglich) sind etwa die Ausfärbung, die Antennen oder auch der Ansatz und die Gestallt der für die Familie charakteristischen Röhren am Hinterleib (Siphone). Blattläuse ernähren sich von den zuckerhaltigen Pflanzensäften die sie mittels Saugrüsseln direkt aus den Gefässbündeln der Wirtspflanzen heraussaugen. Ein Grossteil dieses Zuckersafts wird in Form des klebrigen Honigtaus mehr oder weniger unverändert wieder ausgeschieden, weil die für die Lausernährung wichtigen Stickstoffverbindungen nur in geringerer Konzentration vorkommen. Mit Stickstoff überversorgte Kulturen neigen aus diesem Grund auch dazu, die Blattlauspopulationen schneller anwachsen zu lassen. Durch die Ernährungsweise des direkten Ansaugen der Pflanzen können viele Lausarten auch Überträger von Pflanzenviren werden. 

Gierschblattläuse an einem jungen Sellerieblatt
Gut "getarnte" Gierschblattläuse an einem jungen Sellerieblatt (Bild: Daniel Bachmann)

Die Arten unterteilen sich in wirtswechselnde und nicht-wirtswechselnde Arten. Bei den wirtswechselnden Arten erfolgt eine jahreszeitliche "Einwanderung" in die Gemüsekulturen ausgehenden von den Winterwirten (häufig Gehölze). Zu den wirtswechselnden Arten gehört etwa die schwarze Bohnenblattlaus (Winterwirt Pfaffenhütchen, Schneeball), die Pfirsichblattlaus (Winterwirt: Pfirsich und andere Prunusarten),  die grüne Salatblattlaus (Winterwirt: Johannis- bzw. Stachelbeeren) oder auch die Gierschblattlaus (Winterwirt Weide). Die beiden erstgenannten Arten sind zusätzlich auch Generalisten d.h. sie treten in sehr vielen unterschiedlichen Kulturen auf. Dagegen ist die Salatblattlaus auf Korbblütler spezialisiert und verursacht auch eigentlich nur in Salaten wirtschaftlichen Schaden. Die gut getarnte und oft schwer zu erkennende Gierschblattlaus wiederum tritt in verschiedenen Doldenblütlern wie Karotten oder Sellerie auf. Zu den nicht-wirtswechselnden Arten gehören etwa die grüne Erbsenblattlaus (Überwinterung an Schmetterlingsblütlern z.B. Luzerne) oder die mehlige Kohlblattlaus die auf überwinternden Kohlgewächsen überdauert.  

Vorbeugende Massnahmen

Eine vorbeugende Art der Bekämpfung speziell im Bioanbau aber auch im kleinflächigen Anbau ist das gezielte Abdecken der Kulturen durch Kulturschutznetze während der Migrationsphasen. Das Beachten der Warndienste bzw. eigene Kulturkontrollen auf die beflügelten "Einflieger" ist dabei wichtig, um den Zeitpunkt nicht zu verpassen. Wenn in den Kulturen bereits Lauskolonien gebildet wurden ist es zu spät. Sind die Winterwirte (Gehölze) zudem bekannt, kann bei diesen Lausarten durch die Parzellenwahl möglichst weit entfernt von den Winterwirtspflanzen der Befallsdruck verringert werden. Auch bei den oben als nicht-wirtswechselnden genannten Arten, kann die Abdeckung der neuen Kulturen etwas bringen, weil im Gemüsebau ja immer mit neu angelegten Kulturen gearbeitet wird und so die Übersiedelung aus Nachbarparzellen (wo die Überwinterungskulturen stehen) verhindert wird, wenn diese abgeräumt werden. Ein wichtiger Ausgangspunkt für die Entwicklung der Läuse auf der Kultur ist das Einschleppen über die Jungpflanzen. Es ist daher darauf zu achten, dass die Jungpflanzen absolut befallsfrei angeliefert und auch nicht beim Auslegen auf dem Betrieb mit Läusen befallen werden.

Schwarze Bohnenblattlaus an Fenchel
Schwarze Bohnenblattlaus an Fenchel (Bild: Daniel Bachmann)

Nützlinge fördern und schützen 

Wichtige natürliche Gegenspieler von Blattläusen sind z.B. die Parasitoide aus der Familie der Blattlauswespen (Aphidiidae). Diese häufig sehr auf einzelne Blattlausarten spezialisierten Wespen parasitieren die unbeflügelten Läuse. Die parasitierten Läuse erkennt man durch ihr starkes Anschwellen und die Verfärbung (Blattlausmumien). Die Aktivität der Blattlauswespen kann daher durch Kontrolle auf diese Mumien überprüft werden. Weitere in Gemüsekulturen wichtige Nützlinge gegen Blattläuse sind die Larven der Schwebfliege sowie die allseits bekannten Marienkäfer. Durch anlegen von Ökoelementen mit Blütenpflanzen in parzellennähe, können diese Nützlinge gezielt gefördert werden. Auf dem Markt sind auch gezielte Blühmischungen z.B. für den Kohlanbau verfügbar.

Weiter sollen bei der direkten Bekämpfung zu Kulturbeginn möglichst nützlingsschonende Wirkstoffe eingesetzt werden, um die Wirkung der Nützlinge möglichst lange in der Kulturzeit nutzen zu können. Werden die Nützlinge in der ersten Kulturhälfte durch ein zu scharfes Insektizid beeinträchtigt, ist die Situation in der zweiten Kulturhälfte (wo die qualitativen Schäden erst wirklich entstehen) schwerer zu kontrollieren. In den Kulturen in denen der Wirkstoff Pirimicarb eine Zulassung hat (z.B. in Karotten und Sellerie gegen Gierschblattlaus oder in Bohnen, Randen und Krautstiel gegen schwarze Bohnenblattlaus), wird dieser jetzt zu Saisonbeginn empfohlen. 

Bei den Freilandsalaten, wo Pirimicarb seit einigen Jahren nicht mehr zur Verfügung steht, wird mangels Alternativen mittlerweile auch bei konventionellen Betrieben in der ersten Kulturhälfte Azadirachtin ("Neem") empfohlen, ein Produkt aus dem Bioanbau. Erst in der zweiten Kulturhälfte bis Kopfschluss sollen in den Salaten die systemischen Wirkstoffe wie Spirotetramat (Movento) und Acetamiprid (z.B. Gazelle), welche auch die Salatblattläuse im Pflanzenherz erfassen, eingesetzt werden. Bei den Salaten sollten zudem strickt nur Blattlausresistente Sorten (Nr:0 Sorten) verwendet werden, auch wenn der NR:1 Biotyp der grünen Salatblattlaus diese Resistenz durchbrochen hat. Mit diesen Sorten hat man zumindest noch einen Schutz gegenüber dem ursprünglichen Biotyp der Läuse. 

  

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grüne Salatblattlaus an Salat (Bild: Daniel Bachmann)

 

 

 

 

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