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Blausieb: Ein gefrässiger Holzbohrer

Der Blausieb (Zeuzera pyrina) ist zwar weit verbreitet, tritt aber häufig nur lokal als Problem auf. In den letzten Jahren wurden jedoch verbreitet Schäden beobachtet. Nebst indirekten Massnamen zur Bekämpfung des Holzbohrers steht auch die Verwirrungstechnik zur Verfügung. Ob sich der damit verbundene, hohe Aufwand lohnt, muss situativ beurteilt werden.

Der Blausieb ist ein nachtaktiver Schmetterling aus der Familie der Holzbohrer, welcher fast überall in Europa vorkommt und entsprechend unterschiedliche Lebensräume besiedeln kann. Blausieblarven ernähren sich vom Holz verschiedener Laubbäume. Unter unseren Obstgehölzen ist der Apfelbaum besonders gefährdet, aber auch andere Obstarten können befallen werden. Die Larven werden 50 bis 60 mm lang, sind gelblich gefärbt mit schwarzen Punkten und dunkelbraunem Kopf mit Nackenschild. Die adulten Falter erreichen eine Länge von etwa 30 mm, eine Flügelspannweite von bis zu 60 mm und sie weisen eine auffällige Färbung auf: Die Flügel sind weiss mit dunklen, bläulich schillernden Punkten in mehr oder weniger regelmässiger Anordnung. Wegen ihrer Nachtaktivität bekommt man die Falter in der Obstanlage nur selten zu Gesicht.

Obst Schädlinge Blausieb
Die Blausieb-Larve bohrt bis zu 40 cm lange Gänge ins Holz

 

Heisse Sommer begünstigen Vermehrung

Die adulten Weibchen fliegen von Anfang Juni bis Ende August jeweils nachts und legen ihre ovalen, orange- bis rosafarbenen Eier gruppenweise in Rindenrisse, Knospen oder Wunden ab. Im Zuge der Klimaerwärmung ist mit einer längeren Flugzeit der Falter zu rechnen, was zu grösseren Populationen und häufigeren Schäden führen dürfte. Die geschlüpften Raupen bohren sich bevorzugt in jüngere Stämme und Äste ein und beginnen zu fressen. Im Kernholz entstehen dadurch kreisrunde Gänge, welche einen Durchmesser von 5 bis 10 mm aufweisen und eine Länge von bis zu 40 cm erreichen können. Die Entwicklungsdauer bis zur Verpuppung beträgt zwei bis drei Jahre. Ob das vermehrte Auftreten des Schädlings nur auf die tendenziell heisseren Sommer zurückzuführen ist, oder ob noch andere Faktoren eine Rolle spielen, ist derzeit unklar. Es ist auch noch nicht absehbar, ob es sich um einen längerfristigen Trend handelt. 

 

Schadbild und Bekämpfung

Ein auffälliges Merkmal sind am Boden oder auf Ästen verteiltes Bohrmehl beziehungsweise Kotkrümel, welche von den Raupen aus den Bohrlöchern herausbefördert werden. Mit der Zeit kommt es zum Welken und Absterben von Blättern und Trieben, nebst einzelnen Ästen können ganze Bäume oder Baumpartien absterben. Besonders gefährdet sind dabei Jungbäume.
Oft stösst man bei der Arbeit in der Obstanlage zufällig auf Blausiebbefall. In gefährdeten Parzellen lohnt es sich, besonders wachsam zu sein und auch mal eine gezielte visuelle Kontrolle auf Bohrmehl zu machen, um Befall frühzeitig festzustellen. Zur Flugüberwachung können Pheromonfallen aufgehängt werden, die ebenfalls Anhaltspunkte über den Befallsdruck geben. Wird Befall festgestellt, sollte das betroffene Holz entfernt und die Larve vernichtet werden. Befindet sich der Schädling im Stamm oder einem grösseren Ast, kann die Raupe mit einem Draht, der durch das Bohrloch gesteckt wird, getötet werden, ohne die befallene Partie zu entfernen. Stark befallene (Jung-)Bäume sollten gerodet werden, da sie sich in der Regel nicht mehr erholen. Blausieb kann mit Isonet-Z Dispenser verwirrt werden (300-600 Dispenser pro ha). Wegen der langen Entwicklungszeit muss konsequent über drei bis vier aufeinanderfolgende Jahre verwirrt werden, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen. Der hohe Aufwand rechtfertigt eine Verwirrung nicht in jedem Fall, kann sich aber insbesondere in Junganlagen lohnen, zumal keine chemischen Pflanzenschutzmittel gegen Blausieb zur Verfügung stehen. 

Obst Schädlinge Blausieb
Direkte Bekämpfung der Larve mit einem Draht

 

Auch der Weidenbohrer mag Obstgehölze

In selteneren Fällen kann auch der Weidenbohrer (Cossus cossus) ähnliche Schäden an Obstbäumen anrichten wie der Blausieb. Weidenbohrer kommen gehäuft in der Nähe von Weidenbeständen vor. Die adulten Nachtfalter sind etwas grösser als Blausiebfalter, im Gegensatz zu diesen jedoch von unauffälliger graubrauner Farbe. Die Raupen des Weidenbohrers sind an der Unterseite gelb und am Rücken dunkelrot gefärbt. Kopf und Nackenschild sind glänzend schwarz. Sie werden bis zu zehn Zentimeter lang! Oft bohren sich mehrere Larven in einen Baum und die Löcher sind im Gegensatz zum Blausieb eher oval als rund, ansonsten sind Symptome und Bekämpfung ähnlich. Pheromone zur Überwachung und Verwirrung sind für den Weidenbohrer jedoch nicht verfügbar. 

Obst Schädlinge Blausieb
Spechte können sich an den Blausieblarven gütlich tun

 

weitere Fotos: plantwiseplusknowledgbank.org

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