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Maispopulationen – eine Nische im globalen Markt

Nur wenige kennen die Alternative zu den herkömmlichen Hybridmaissorten. Im dreijährigen FIBL-Streifenversuch ist die Evolino-Population ebenfalls mit dabei und hat bisher gut abgeschnitten.
Biomais Populationssorte Evolino
Evolino-Population (Bild: Sativa)

Seit über 10 Jahren vertreibt Sativa Maispopulationen aus dem Zuchtprogramm der Getreidezüchtung Peter Kunz. Anfangs hiessen sie noch OPM.07, OPM.11 oder OPM.12. Seit der Einführung des EU-Experiments im Jahr 2015 heisst sie „Evolino-Population“. Damit ist auch der Vertrieb in gewissen EU-Ländern möglich geworden. Zuvor war der Verkauf von sogenannt „heterogenem Material“ aufgrund der gesetzlichen Saatgutregelung nicht erlaubt. In der Schweiz ist Evolino schon länger als Nischensorte angemeldet, und ist damit in kleinem Umfang zugelassen. Ein grosser Teil des in der Schweiz produzierten Maissaatgutes findet bei Sativa im süddeutschen Raum ihre Abnehmer. Seit der Einführung des Experiments nimmt das Interesse auch aus Frankreich zu. Populationen haben den Vorteil, dass sie sich einfacher nachbauen lassen als Hybriden. Ein Nachbau muss aber professionell gemacht werden, damit er langfristig Früchte trägt. 

Ein Argument, welches vielleicht in der Schweiz noch nicht bedeutend ist, doch bereits im nahen Ausland an Gewichtung gewinnt: Evolino ist zwar nicht die ertragreichste Sorte, doch viele Landwirte wählen die Population bewusst aus um eine landwirtschaftsnahe, biologische Züchtung zu unterstützen. Die Unabhängigkeit von Saatgutmultis und die Unterstützung der Biozüchtung spielen eine Rolle, doch vermehrt auch vermarktungstechnische Argumente. Die mögliche eigene Hofvermehrung ist aber gleichzeitig für die Züchter auch ein Dilemma. Einerseits wirbt man mit dem Eigennachbau, andererseits ist man stets auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten. Wird eigenes Saatgut gewonnen, fehlen Lizenzeinnahmen für den Züchter. Betriebe werden deshalb dazu angehalten einen freiwilligen Züchtungsbeitrag zu leisten, wenn auf dem Hof nachgebaut wird.

Die Evolino Population ist ein Gemisch aus verschiedenen Hybriden, in welcher über mehrere Vermehrungen selektioniert wurde. Jedes Jahr werden Kolben gezielt ausgelesen, laufend verbessert und für die Weitervermehrung verwendet. Durch die verschiedenen Genotypen im Bestand kann sich ein Feld besser an die Umgebung anpassen. Gerade bei den immer stärker werdenden klimatischen Herausforderungen, könnten solche Sorten zukünftig das Anbaurisiko minimieren. Zieht man die Zwischenberichte der FibL-Maissortenstreifenversuche bei, so erstaunt wie gut Evolino bislang bezüglich Ertrag abschneidet wenn man die bescheidenen Möglichkeiten der Populationszüchtung mit denen der intensiven Hybridzüchtung berücksichtigt. Der FibL-Versuch kommt 2019 ins dritte Jahr. 

Mittlerweile sind mehrere Institutionen an der Bearbeitung von Maispopulationen. Neben der GZPK auch der Dottenfelderhof sowie die LFL aus Bayern. Alle versuchen den Mais frühreifer zu machen, denn die bestehenden Populationen sind eher im mittelspäten Bereich anzusiedeln. Trotz Anfangserfolgen dürfen sich die Populationszüchter nicht ausruhen, denn auch die konventionelle Züchtung schreitet rasant voran. Damit eine möglichst grosse Vielfalt entstehen kann, braucht es mehrere Züchter und auch Landwirte, welche die Populationen anbauen. 

Autor: Christoph Rickenbach, Sativa Rheinau AG

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