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Mit Ruhe zum Erfolg

Der online Fachabend zeigte auf, wie mit einfachen Massnahmen Einzeltiere und Herden effizient und ruhig geführt werden können.

Der Online-Fachabend von letzter Woche, organisiert vom Team Tierhaltung am Strickhof, brachte den Teilnehmenden das Thema «Stressarmes Arbeiten mit Herdentieren (Low Stress Stockmanship)» näher. Der eingeladene Referent und Berater Philipp Wenz sowie der Landwirt Cäsar Bürgi demonstrierten anschaulich, wie diese Form des Umgangs sowohl mit Einzeltieren als auch mit ganzen Herden angewendet werden kann. Entwickelt wurde das Low Stress Stockmanship vom Amerikaner Bud Williams. Ziel ist es, den Umgang mit Tieren so zu gestalten, dass er wie gewünscht funktioniert – was die Freude an der Arbeit mit Tieren deutlich erhöht. Grundsätzlich stellt Philipp Wenz fest: «Wir sind im Umgang mit Tieren in der Regel viel zu aktiv, was bei ihnen zu Unsicherheit und Stress führt.» Die Methode des Low Stress Stockmanship lässt sich bei sämtlichen Weidetieren wie Schafen, Ziegen, Eseln, Alpakas und vielen weiteren anwenden.

Treiben und belohnen

Auf dem Betrieb von Cäsar Bürgi im Kanton Solothurn zeigten der Betriebsleiter und Philipp Wenz, wie sie Low Stress Stockmanship in der Praxis anwenden. Beim Treiben der Herde auf der Weide näherte sich Philipp Wenz einem Tier seitlich innerhalb seines Bewegungsradius. So kann das Tier erkennen, wer es treibt – und begann sich daraufhin wie gewünscht zu bewegen. Als Belohnung für diese Reaktion entfernte sich der Berater ein Stück weit, um den Druck zu reduzieren. «So lernt das Tier, ohne Druck in die gewünschte Richtung zu laufen.»

Bleibt das Tier erneut stehen, nähert man sich ihm wieder, um den Druck behutsam aufzubauen. Philipp Wenz empfiehlt, das Treiben bereits auf der Weide zu üben, damit es auch in anspruchsvollen Situationen funktioniert – etwa auf einer schmalen Strasse oder beim Verladen in einen Viehanhänger.

Tricks gab es an diesem Abend keine zu hören, denn: «Mit Tricks überlisten wir die Tiere, doch wir wollen Vertrauen aufbauen», so Philipp Wenz. Zentral ist dabei, im Umgang mit Tieren weder zu schreien, noch zu schlagen, zu schubsen, zu ziehen oder hektische Bewegungen auszuführen. «Wenn die Tiere nicht laufen, wissen sie nicht, was sie tun sollen», erklärte er.

Korridor mit Behandlungsbox

Cäsar Bürgi hat auf dem befestigten Auslauf einen Korridor mit einer anschliessenden Behandlungsbox eingerichtet – der sogenannten Bud Box, benannt nach ihrem Erfinder. In dieser können verschiedene Behandlungen an Mutterkühen und ihren Kälbern durchgeführt werden, etwa Klauenpflege, das Anbringen von Ohrmarken, die lineare Beschreibung und weitere Massnahmen. Am Anfang des Korridors befindet sich eine Fangeinrichtung mit Tor, durch die die Tiere mühelos zum Startpunkt geführt werden können. Wie Cäsar Bürgi erklärte, lassen sich Behandlungen auf diese Weise problemlos und von nur einer Person durchführen.

Die Zuschauenden interessierte zudem, wie ein neues Tier an den Melkroboter gewöhnt werden kann. Philipp Wenz empfiehlt, das Tier ohne Druck zu treiben. Dabei sollte die Umgebung so gestaltet sein, dass das Tier erkennt, in welche Richtung es sich bewegen soll. Zudem müsse ihm ausreichend Zeit gegeben werden, um die Einrichtung zu beschnuppern. Beim ersten Einlaufen sollte der Roboter vorne geöffnet bleiben, damit das Tier ihn gleich wieder verlassen kann – ein wichtiger Schritt, um Vertrauen aufzubauen. Macht das Tier gute Erfahrungen mit dem Melkroboter, wird es diesen Ort bald von selbst aufsuchen, so Wenz.

Ursina Berger, Strickhof

 

Fachabend Low Stress Stockmanship
Beim erfolgreichen Umgang mit Tieren soll weder geschrien, noch geschlagen, geschubst, gezogen oder hektisch agiert werden. Bild: Strickhof

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