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Neue Herausforderungen beim Wildobst

Wildobstarten werden vielfach angebaut, weil sie für ihre Anspruchslosigkeit und geringe Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge bekannt sind. Das ist auch meistens so, aber auch bei Aronia, Holunder, Sanddorn & Co. kann es durch neue Krankheiten und Schädlinge zu neuen Herausforderungen im Anbau kommen.

Anbau von Bedeutung

Der Anbau der verschiedenen Wildobstarten, die bei den Beerenkulturen erfasst werden, macht etwa ein Zehntel der gesamten Beerenflächen in der Schweiz aus. Das ist durchaus von Bedeutung für die Produktion, ist es doch etwa gleich viel Fläche, wie Brombeeren und alle Johannisbeeren zusammen. Und für die produzierenden Betriebe sind die Wildfrüchte meist ein interessanter und wichtiger Betriebszweig.

 

Kleiner Käfer – grosser Schaden

Erstes Beispiel sind die Maibeeren (Lonicera kamtschatika), auch als sibirische Blaubeere bekannt. Sie wird bei uns seit rund 20 Jahren angebaut. Diese als Busch wachsende Beerenart galt bis vor zwei Jahren als sehr anspruchslose und pflegeleichte Strauchbeerenart und im Direktverkauf ist sie als sehr früh reifende Beere sehr beliebt. Dann entdeckte ein kleiner, leuchtend grün glänzender Käfer die Maibeere als ideal für seine Vermehrung. Der Heckenkirschen-Prachtkäfer (Agrilus cyanescens) legt seine Eier in die Triebe der Maibeeren und der Frass der Larven in den Trieben bringt diese Triebe dann zum Absterben. Der Käfer kann in kurzer Zeit so grossen Schaden an den Sträuchern verursachen, dass ganze Anlagen gerodet werden müssen. Eine praxisreife Strategie zur wirksamen Bekämpfung des bisher wenig bekannten Schädlings ist leider aktuell noch nicht vorhanden.

Wildobst Schädlinge
Der grün-blau glänzende Heckenkirschen-Prachtkäfer, hier auf dem Blatt einer Maibeer-Pflanze, sieht wirklich prächtig aus, kann aber leider grossen Schaden bei den Pflanzen der Maibeeren (Lonicera kamtschatika) verursachen. Foto: Strickhof

 

Welke und Sterben des Sanddorns 

Auch der Sanddorn, als einheimische Wildobstart, galt bei uns bisher als robuste Wildbeere, die auch im professionellen Anbau nur sehr selten mit Pflanzenschutzmassnahmen unterstützt werden muss. Das macht den Sanddorn gerade auch für Bio-Betriebe interessant. Das Bild von der pflegeleichten Sanddornpflanze hat sich bei uns in der Schweiz im letzten Sommer schlagartig gewandelt. Es kam an verschiedenen Orten zum raschen Welken und Absterben ganzer Sanddornpflanzen, die im Frühjahr noch normal ausgetrieben hatten und gewachsen waren. Das Phänomen ist aus den grossen Produktionsgebieten in Deutschland und Polen seit etwa 5 Jahren bekannt und wurde diesen Sommer nun leider auch bei uns erstmals beobachtet. Die internationale Forschung konnte verschiedene Ursachen, wie Pilzkrankheiten und Viren, als Ursache ausfindig machen. Sehr wahrscheinlich sind aber auch Stressfaktoren für das plötzliche Ausbrechen der Krankheiten verantwortlich. Die Wetterextreme und die fehlende Winterkälte in den letzten Jahren dürfte nach Meinung der Experten dabei eine entscheidende Rolle spielen. Für die Anbauer bleibt nur zu hoffen, dass zum Beispiel robuste Sorten selektiert werden können, um mit dem Anbau vom Sanddorn weiterhin erfolgreich zu sein.

Wildobst Krankheiten
Plötzliches Welken der Blätter und Abstreben ganzer Triebe war beim Sanddorn diesen Herbst an manchen Orten zu beobachten. Foto: Strickhof

 

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