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Obst-Info Zürich Nr. 18 / 2020

Freisetzungsversuch Samuraiwespe sowie Wanzen-Update vom 28. Juli 2020

Freisetzungsversuch Samuraiwespe in Birnenanlage in Zürich-Höngg

Gestern wurde in Zürich-Höngg der Freisetzungsversuch der Samuraiwespe (Trissolcus japonicus) durch Agroscope gestartet. Der Gegenspieler der Marmorierten Baumwanze vermag in China – wo die Wanze ursprünglich herkommt - den Schädling in seiner Entwicklung zu bremsen und die Populationen tief zu halten. Da die Samuraiwespe letztes Jahr bereits an mehreren Standorten in Zürich und Winterthur gefunden wurde, besteht die grosse Hoffnung, dass sich nach der Marmorierten Baumwanze auch der Nützling weiter ausbreiten wird und in den kommenden Jahren die Populationen der Baumwanze auch bei uns in Schach halten wird.

Im Versuch wurden gestern total 3000 Samuraiwespen freigelassen. Diese sollen nun in den kommenden Tagen die ebenfalls gestern ausgebrachten 270 nicht mehr lebensfähigen Eigelege der Marmorierten Baumwanze parasitieren. Erste Ergebnisse werden in einigen Wochen erwartet.

Weitere Info’s finden Sie in der folgenden Medienmitteilung.

Zudem kann man hier den Beitrag aus der Sendung 10vor10 nachschauen.

 

Wanzen-Update: Noch wenige Meldungen aber…
Im Freiland sind bereits Nymphen im 4. Und 5. Stadium zu finden. Mit den hochsommerlichen Temperaturen in dieser Woche wird die Entwicklung schnell vorangehen und wir erwarten den Schlupf der ersten Adulten und geflügelten Marmorierten Baumwanzen in den kommenden Tagen. Dann kann auch die erneute Zuwanderung in die Birnenanlagen beginnen.

In bisher gut kontrollierten Birnenanlagen, in denen in den vergangenen Wochen keine oder nur wenige Wanzen gesichtet wurden, sind nun zunehmend Nymphen und Adulte Marmorierte Baumwanzen aufgetaucht. Auch erste Schäden an Birnen sind nun zu sehen, allerdings noch auf sehr tiefem Niveau. Da die Birnenernte von Conference nur noch etwa einen Monat entfernt liegt, muss in der kommenden Woche über einen allfälligen Insektizideinsatz entschieden werden, damit die Wartefrist von 3 Wochen eingehalten werden kann.

 

Wanzen-Update: Nützliungstoxizität ganz konkret
An dieser Stelle sei vor unnötigen Behandlungen gewarnt! Sind keine oder nur wenige Wanzen in der Birnenparzelle vorhanden, ist von einem Insektizideinsatz dringend abzuraten, denn eine Behandlung tötet neben den Schädlingen auch viele Nützlinge. Letzten Donnerstag (23.07.20) wurde nach mehreren Wanzensichtungen in einer Birnenparzelle nur die Randreihe behandelt, um den Wanzendruck in der Anlage vertiefter zu prüfen. Dazu wurde auf einer Länge von total 17 m Baumreihe (verteilt auf 3 Standorte) ein Vlies unter die Bäume gelegt. Das Resultat nach der Behandlung mit Acetamiprid gemäss Zulassung (Allgemeinverfügung) war wie folgt:

  • 3 Marmorierte Baumwanzen (1 x adult, 2x N1)
  • 1 Graue Feldwanze (Nymphe)
  • 215 Marienkäfer (adult)
  • 2 Marienkäferlarven
  • 5 Blumenwanzen (die effektive Zahl dürfte deutlich höher sein, da schwer sichtbar)
  • 1 Schwebfliege

 

Die Tatsache, dass man hochgerechnet auf 1 Hektar mit einer Insektizidbehandlung gegen Marmorierte Baumwanzen über 30'000 Marienkäfer (und unzählige andere Nützlinge) «eliminieren kann» zeigt, dass im Obstbau nützlingsschonend gearbeitet wird. Der Verlust so vieler Nützlinge hat Konsequenzen bei der Bekämpfung von anderen Schaderregern insbesondere des Birnblattsaugers! Nicht zwingend notwendige Behandlungen sind unbedingt zu vermeiden. Da Zahlen oft etwas abstrakt sind, finden Sie auf der folgenden Seite 2 Fotos, welche die Problematik auch ohne Worte zeigen.

 

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