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Relevante Kostenfaktoren sichtbar machen

Erfahrungsbericht aus Vollkostenrechnungen auf Gemüsebetrieben. Auf was ist zu achten?

Relevante Kostenfaktoren sichtbar machen

Das Wissen um die Produktionskosten auf dem Gemüsebetrieb ist in einem Preisvolatilen Markt entscheidend. Nachfolgend sind einige Erfahrungen aufgeführt, wie sie aus Vollkostenberechnungen auf Betrieben hervorgegangen sind.

Verschiedene Wege führen zum Ziel

Bei der Datenaufnahme für Vollkostenberechnungen in kleineren Betrieben, wird oft der Einwand vermerkt, dass man halt in einer ganz anderen «Liga» spiele als Konkurrenzbetriebe. Gemeint ist damit, dass man mit einer eher extensiv geführten Kultur nicht mit den Preisniveaus mithalten kann, wie sie Betriebe mit höheren Flächenleistungen erzielen können. Berechnungen bei Gewächshausartikel haben allerdings gezeigt, wie auch komplett unterschiedlich intensiv geführte Kulturen unter dem Strich kostendeckend geführt werden können. Entscheidend ist immer das Verhältnis zwischen Ertrag, auf welchen die anfallenden Kosten abgewälzt werden können, und den Mehrkosten welche durch eine intensivere Kulturführung anfallen. Die Frage aus Sicht der Stückkosten lautet daher, z.B. ob eine längere Kulturzeit, mit entsprechend höheren Energiekosten und Kosten für die Infrastruktur (längere Hausbelegung), zu genügend grossen Mehrerträgen führt, um diese Mehrkosten zu tragen. 

Rüst- und Lagerabgänge nicht vernachlässigen

Auf dem Gemüsebetrieb durchlaufen Gemüseartikel im Prinzip einen stufenartig gegliederten Zyklus. Dabei steigen die Kosten pro Stück bzw. Kilo kontinuierlich an, bis schliesslich die Stückkosten erreicht sind, die der Produzent am Markt durch den Verkauf der Ware zu decken versucht.

Stufenförmiger Wertzuwachs am Beispiel von Kabis

Bildbeschriftung: Stufenförmiger Wertzuwachs am Beispiel von Kabis. (Grafik Daniel Bachmann)

Aufgrund dieses stufenförmigen Wertzuwachs lässt sich schliessen, dass gerade Abgänge kurz vor dem Verkauf enorm kostenwirksam für die Stückpreise sind. Alle bis zum Zeitpunkt des Abgangs anfallenden Kosten z.B. eines Kilogramms Kabis müssen durch den Erlös einer geringeren verkaufbaren Menge abgedeckt werden können. Dementsprechend ist eine gute Lagerhaltung, und ein Abrüsten nur im nötigen Rahmen aus Sicht der Stückkosten entscheidend. Auf den Betrieben fehlt hier oft eine solide Datengrundlage, weil naturbedingt die Abrüstung auch enormen Schwankungen unterliegt. Ein gezieltes überwachen der Rüstarbeiten, gerade bei rüstintensiven Kulturen kann entscheidend helfen unnötigen Wertabgang zu vermindern. 

Foodtainerlauch weist eine hohe Rüstintensität von Rohware zu verkauftem Produkt auf.
Foodtainerlauch weist eine hohe Rüstintensität von Rohware zu verkauftem Produkt auf.
Foodtainerlauch weist eine hohe Rüstintensität von Rohware zu verkauftem Produkt auf.

 

Vermeidung von negativen Ausreissern nach unten

Besonders bei Freilandkulturen, aber auch im Gewächshaus sind die Mengenerträge von Jahr zu Jahr und zwischen den Parzellen sehr unterschiedlich. Dies ist bedingt durch die herrschende Witterung, Bodenverhältnisse aber auch dem Schädlings- und Krankheitsdruck. Für eine aussagekräftige Abschätzung der Stückkosten auf dem Betrieb ist es daher unerlässlich einen Durchschnittswert für den Mengenertrag über mehrere Saisons und verschiedene Parzellen hinweg zu ziehen. Grundsätzlich gibt es zwei Herangehensweisen, um die Gesamtkosten einer Kultur zu verbessern:

  1. Der Versuch in Häusern, Lagen und Saisons mit bereits hohen Erträgen diese Mengenerträge weiter zu steigern bzw. die Faktoren welche in den Saisons zu höheren Erträgen geführt haben aufzuzeigen. 
  2. Der Versuch in Häusern, Lagen und Saisons mit tiefen Erträgen diese Erträge auf ein durchschnittliches Niveau anzuheben bzw. die Faktoren welche in den Saisons zu tiefen Erträgen geführt haben aufzuzeigen und zu verbessern. 

In der Praxis hat sich oft die zweite Möglichkeit als die erfolgversprechendere erwiesen. Zum einen ist den Mengenerträgen nach oben aufgrund der natürlichen Standortfaktoren ein Limit gesetzt. Zum anderen ist der Mitteleinsatz zur Behebung von unterdurchschnittlich tiefen Erträgen in der Regel tiefer als derjenige um bereits hohe Erträge weiter zu steigern. Aus Sicht des Betriebs sollte damit die Vermeidung von unterdurchschnittlichen Erträgen im Anbauplan die Hauptpriorität darstellen. Ein gutes praktisches Beispiel sind etwa die Kulturkontrollen. Bei den allermeisten Kulturen sind die Kosten für Kulturkontrollen in der Gesamtrechnung relativ gering. Die Kosten für Ernte und Aufbereitung sind meist viel wichtiger.  Wenn durch vermehrte Kulturkontrollen jedoch ein Schädlingsbefall frühzeitig erkannt werden kann und die Schäden damit geringer gehalten werden können, kann die Gesamtrechnung der Kultur entscheidend verbessert werden. 

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