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Rindvieh aktuell 06 / 2022

Temperaturen von über 30 °C sind heute keine Seltenheit mehr. Um durch Hitzestress verursachte Leistungseinbussen (Bsp. verminderte Milch-/Mastleistung durch tieferen Futterverzehr) und Fruchtbarkeitsstörungen zu minimieren und das Tierwohl zu stärken, ist es unumgänglich Hitzestress frühzeitig zu erkennen und nötige Massnahmen einzuleiten.

Ein Hilfsmittel zur Erkennung von Hitzestress ist der THI (Temperatur-Feuchtigkeit-Index), welcher aus der Umgebungstemperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit einen Index berechnet.

Milchkühe leiden ab einem THI von 68 (= Milder Hitzestress) an Hitzestress. Damit diese Parameter rasch überprüft werden können, lohnt es sich einen Temperatur- und Luftfeuchte-Sensor im Stall aufzuhängen.

Gut sichtbare Merkmale für milden Hitzestress sind:

•          Erhöhte Atemfrequenz (> 80 Atemzüge/Minute)

•          Tiere stehen mehr und suchen Stellen mit mehr Luftbewegung auf

•          Körpertemperatur erhöht (Rektaltemperatur > 39 °C)

•          Vereinzelter Einbruch bei der Milchleistung 

 

Bei einem mässigen Hitzestress (THI > 72) sind folgende Merkmale sichtbar:

•          Tiere hecheln

•          Futteraufnahme sinkt merkbar (10 – 25 %)

•          Speichelbildung ist erhöht

•          Schweissbildung auf Rücken und Flanken

•          Harnmenge wird geringer

•          Milchleistungseinbruch nach ca. 3 Tagen

•          Brunstverhalten deutlich reduziert

 

Ab einem THI von > 80 sind Merkmale von starkem Hitzestress erkennbar:

•          Allgemein schlechtes Wohlbefinden

Bei THI > 90 sind vereinzelte Todesfälle bei Milchkühen möglich. 

 

Sofortmassnahmen zur Vermeidung von Hitzestress:

 

•          Stallfenster öffnen bzw. demontieren, alle Türen und Tore öffnen

•          Einsatz von Ventilatoren im Fress- und Liegebereich, im Wartebereich des Melkstandes oder Roboters 

•          Ventilatoren auf den Kopf- und Pansen-Bereich der Kuh ausrichten 

•          Ventilatoren auch in der Nacht und während Weidegang laufen lassen, damit der Stall abkühlt

•          Lichtfirste öffnen (Lichtdurchlässige Platten komplett entfernen, damit kein Treibhauseffekt entsteht)

•          Weidezeiten auf die Nacht verlegen oder frühmorgens und spätabends weiden

•          Behandlungen und Eingriffe am Tier auf kühle Zeiten verschieben

•          Intensive Boxenpflege durchführen, um kurzen Liegezeiten entgegenzuwirken

•          Optimale Trinkwasserversorgung in bester Qualität sicherstellen (Tränken regelmässig kontrollieren und reinigen)

•          Futter mit Wasser anfeuchten und erst abends vorlegen

•          Futter mit hohen Verdaulichkeiten vorlegen (rohfaserarmes Grobfutter von bester Qualität)

•          Mineralfutter und Viehsalz in genügenden Mengen vorlegen, Salz getrennt vom Mineralstoff anbieten

•          Pansen abpuffern (z.B. Natriumbicarbonat)

•          Galtkühe und Kälber nicht vergessen…

 

Auf der Weide zeigt sich Hitzestress durch das Aufsuchen von Schatten oder nahes Zusammenstehen (gegenseitiges Schattenspenden). Oftmals ist das Ansammeln der Rinder bei Hitzestress rund um die Tränke zu beobachten. Sorgen Sie auf der Weide für ausreichend Wasser und Schatten. Ideale Schattenspender sind Laubbäume. Auch Waldrandparzellen und Parzellen, die an hohe Hecken angrenzen eignen sich hervorragend. Alternativ können Sie künstlichen Schatten mit einem Sonnensegel spenden.

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