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Sortenvergleich Bio-Mahlweizen 2020

Das Anbaujahr 2020 wurde durch die aussergewöhnliche Frühlingstrockenheit geprägt. Die Halme der verschiedenen Mahlweizensorten blieben kürzer als in anderen Jahren und durch die eingeschränkte Nährstoffverfügbarkeit lagen die Proteingehalte eher tief. Dafür war der Krankheitsdruck, insbesondere beim Mehltau, sehr gering und an keinem Standort kam es bei der Ernte zu Auswuchsproblemen.

Bio-Mahlweizen 2020: Montalbano, Bonavau und Wital ertragsstark, Proteingehalte eher tief

Die Praxisstreifenversuche am Standort Stiegenhof in Oberembrach ZH waren auch dieses Jahr Teil des Sortenvergleichs für Bio-Mahlweizen, welcher vom FiBL an acht verschiedenen Standorten in der Schweiz durchgeführt wird. Dabei wurden vielversprechende Kandidatensorten mit den Mahlweizensorten WIWA, BARETTA und ROSATCH verglichen, die bereits auf der Biosortenliste stehen.

Erträge leicht tiefer als im Vorjahr

Grafik BioWW 2020
Grafik: Die Sorten-Erträge am Standort Stiegenhof im Vergleich zum Mittelwert aller acht Standorte (gelbe Balken). Die Proteingehalte sind als Punkte dargestellt.

Die Erträge am Standort Stiegenhof lagen im Durchschnitt bei 57.9 Dezitonnen pro Hektare, während der Mittelwert aller Standorte bei rund 51 Dezitonnen lag. Die Versuchsstreifen in Oberembrach ZH wurden mit zwei Güllegaben (Schweine- und Kälbergülle) gedüngt, dies entspricht gut 100 Kilo Stickstoff. Das Unkraut wurde im März mit zwei Striegel-Durchgängen bekämpft. Die Vorkultur war Silomais.

Die Sorte MONTALBANO war sowohl am Stiegenhof als auch im Gesamtvergleich der Favorit. Auch die neue Sorte WITAL von der Getreidezüchtung Peter Kunz gehörte zu den ertragsstärksten Sorten. Bemerkenswert ist das Resultat der Sorte BONAVAU: In Oberembrach erreichte die Sorte mit 63.2 

Dezitonnen den zweithöchsten Ertrag, bewegte sich im Gesamtvergleich jedoch eher im Mittelfeld (51 dt/ha). Dieses Resultat zeigt, dass jeder Betrieb die für seinen Standort am besten geeignete Sorte finden muss. Auch in den Kleinparzellenversuchen von Agroscope wurde BONAVAU nach drei Versuchsjahren als ertragsstarke Sorte bewertet. WIWA ist und bleibt bewährt. Sie erreichte im Gesamtvergleich der Erträge den dritthöchsten Ertrag. 

Bioweizen MONTALBANO
Die ertragsstarke Sorte MONTALBANO Ende Mai am Standort Stiegenhof (Bild: K. Carrel, Strickhof)

Proteingehalt - Rosatch erreicht bestes Resultat

Im Vergleich der Proteingehalte erreichte die Sorte ROSATCH das beste Resultat. Am Standort Stiegenhof war sie die einzige Sorte, die einen Proteingehalt über 12 Prozent erreichte (12.1%). Der Mittelwert aller Standorte lag für ROSATCH sogar bei 13.7 Prozent. Die Proteinwerte der einzelnen Sorten unterschieden sich in diesem Jahr besonders stark und lagen insgesamt rund ein Prozent tiefer als 2019. 

Bioweizen ROSATCH
Die begrannte Sorte ROSATCH erreichte im Sortenvergleich die besten Proteinwerte. Auch ihr Feuchtkle-bergehalt ist sehr hoch und hat eine weiche Qualität (Bild: K. Carrel, Strickhof)

Auch die neue Sorte PRIM von der Getreidezüchtung Peter Kunz, WIWA und NARA erreichten gute Proteingehalte. Grundsätzlich gehen gute Proteingehalte auf Kosten des Ertrags, wie die obenstehende Grafik zeigt. Allerdings gibt es positive Ausnahmen: MONTALBANO zeigte trotz der hohen Erträge an den meisten Standorten auch gute Proteingehalte.

Vielversprechende Kandidaten für die Sortenliste 2022

Auch dieses Jahr zeichneten sich vielversprechende Kandidaten für die Bio-Getreidesortenliste 2022 ab. MONTALBANO, WITAL und BONAVAU konnten mit hohen Erträgen überzeugen. ROSATCH, WIWA und PRIM zeigten ihre Stärke im Proteingehalt. Für WITAL und PRIM muss zunächst noch Saatgut vermehrt werden. MONTALBANO ist für den Vertragsanbau bereits erhältlich.

Die Resistenzeigenschaften der Sorten sind in den letzten beiden Jahren aufgrund des geringen Krankheitsdrucks nicht so stark ins Gewicht gefallen. Eine Krankheits- und Schädlingsbonitur am Stiegenhof Mitte Juni zeigte, dass das Fahnenblatt einzelner Sorten nicht durch Krankheiten, sondern vor allem durch Getreidehähnchen geschädigt war; den höchsten Befall zeigten dabei die Sorten BARETTA und BONAVAU mit 15-25 Prozent Blattflächenverlust durch den Frass der Hähnchen-Larven. Dieser Verlust war aber anscheinend nicht ertragsrelevant, wie das sehr gute Resultat von BONAVAU zeigt. Die Krankheitsresistenzen sollten trotzdem stets im Auge behalten werden. Neben den bewährten Sorten, die sich für fast alle Standorte eignen, lohnt es sich, für jeden Betrieb die optimale Sorte zu finden, die an den Krankheitsdruck und an die Nährstoffverfügbarkeit angepasst ist. Am Stiegenhof war dies, neben MONTALBANO und WITAL, die Sorte BONAVAU.

Autorin: Katrin Carrel, Strickhof Fachstelle Biolandbau

 

 

 

 

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