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Unvorstellbare Dimensionen in Ostdeutschland

Die Abschlussklassen der Ausbildung zum Landwirt/zur Landwirtin EFZ durften nach Ostdeutschland reisen. Zwei Lernende berichten.

Nach einem gelungenen Strickhofball hiess es schon bald: packt die Koffer! So reisten 31 Zweitausbildner und 40 Erstausbildner mit je zwei Lehrpersonen Mitte März mit dem Car Richtung Ostdeutschland. Wir freuten uns auf eine erlebnisreiche Woche.

Von 15 auf 120 Kühe

Als erstes besuchten wir im Allgäu den wohl sympathischsten Landwirt der Woche. Christoph Stauber erzählte uns von seinem Werdegang als Landwirt und wie er von 15 auf 120 Milchkühe aufstockte. Glück und Können machten es ihm möglich, zwei zusätzliche Betriebe zu pachten und damit über 120 Hektaren zu bewirtschaften. Mit strahlendem Lächeln erzählte er uns von den Erfolgen wie auch den Misserfolgen, als zum Beispiel die alte Pachtscheune mit Haus Feuer fing. Man hatte schon fast das Gefühl, dass er froh war, die Altlast im Feuer verloren zu haben, weil sein Lachen das Ereignis verharmloste. 

Mehr als 1‘000 Verpächter

Je näher wir Berlin kamen, desto grösser wurden die Felder. Nicht nur die Felder, auch die Traktoren und Anbaugeräte wurden immer grösser. In der Nähe von Naumburg besuchten wir die Agrargesellschaft Priessnitz, die mit 42 Angestellten rund 4‘213 Hektaren bewältigt. Zahlen mit denen wir nicht wirklich zurechtkamen, da diese Dimensionen für uns unvorstellbar sind. Wie viele andere wurde auch diese Agrargesellschaft nach der Wende gegründet und stetig ausgebaut. Damals waren die Landbesitzer froh, wenn es jemanden gab, der das Land bewirtschaftete. Darum haben sie auch über 1‘000 Landverpächter für die rund 4‘200 Hektaren.

Auf Applikationskarten werden die Erträge und Bodenproben der Vorjahre aufgezeichnet. So ist ersichtlich, wo und wie der Dünger bei der Pflanze ankommt und wo Dünger eingespart werden kann, weil das Potenzial zu klein ist. Bei einem jährlichen Verbrauch von 1‘500 Tonnen könnte das noch relevant sein! Wir fragten uns, wie über 800 Hektaren Winterweizen gesät werden kann mit einer acht Meter breiten Mulchsaatsämaschine? Es ist ganz einfach: Erstens fährt man im Schichtbetrieb rund um die Uhr, und zweitens kann man fast immer fahren, weil die Jahresniederschlagsmenge nur 450 mm/m² beträgt.

Braunes Gold

Deutschland ist bekannt für den Abbau von Braunkohle. Wir durften den Tagebau bei der MIBRAG in Profen besuchen und hatten eine zweistündige Führung mit einem Geländebus. Der Moment, als wir in das 130 Meter tiefe Loch fuhren, war gigantisch. Faszinierend war auch die Logistik in diesem Tagebau, die ist auch nötig, wenn man bedenkt, dass ein Schaufelradbagger pro Stunde gut 1‘000 Kubikmeter Material abbaut. Dieses Material wird mit sogenannten fahrbaren Förderbändern verladen und deponiert.

Interessant: Es darf vier Mal so viel Material abgebaut werden bis man zur eigentlichen Menge Braunkohle gelangt, um immer noch gewinnbringend zu wirtschaften. Es scheint, dass man bei der Energieerzeugung immer Geld verdient, selbst wenn es sich um ein Auslaufmodell wie die Braunkohle handelt.

Abschluss in Berlin

Eine spannende und vor allem anstrengende Woche neigte sich langsam dem Ende zu. Damit wir während unserer Reise nicht nur Maschinen und Kühe gesehen haben, fuhren wir nach Berlin. Am Ende der Stadtführung hörten wir Parolen beim Brandenburger Tor. Da wir die Bauernproteste in Deutschland auch in der Schweiz mitbekommen haben, wollten wir uns ihre Sorgen und Probleme anhören. Da täglich etwa drei Proteste von irgendwelchen Organisationen vor dem Brandenburger Tor stattfinden, wussten wir dann auch, wieso fast keine Leute zuhörten.

Zum Abschluss ging es ins Berliner Nachtleben, um die Reise festlich zu krönen. Es war eine eindrückliche Woche. Wir konnten unseren Horizont erweitern und viel Positives mit nach Hause nehmen.“

Autoren: Lukas Schärer und Florian Pohl, Zweitausbildner

Reise Ostdeutschland
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